KEEP YOUR HAIR ON

Denise Werth • Eröffnung  Sa 06.11.2021  18 Uhr

Zeiten: Fr|Sa 16–18 + by appointment
+ Woche 15-21.11. Di—Sa 11-14 Uhr 

In ihrer zweiten Ausstellung im La Felce behandelt sie Wut, die aufsteigt, die zum Kochen gebracht wird, die vorm Überlaufen steht, die sich kurz vorm Platzen befindet. Es geht um den Moment, in dem eine Situation kippen könnte, die Energie, die etwas verändern könnte, aber auch nicht muss. Denise Werths Titel sind immer Verweise auf die ungeordneteren, deskriptiveren und offeren Narrative, aus derer sie die Arbeiten entwickelt. Mit dem Ausstellungstitel „Keep your hair on“ beschreibt sie den Schwellenmoment, dem man einer Energie folgt oder nicht, in der man etwas beisammen hält oder es vor dem auseinanderfallen ist. Mit Haaren als sehr organischem Stoff der sich als Gegenpol zu den Lacken, Kunststoffen, Gips und MDF ihrer Arbeiten verhält, integriert sie den Ursprung der Form als Artefakt in einem der Objekte – auch  als ein Verweis auf die unmittelbare Körperlichkeit des Schaffensprozess. Es wird jedoch nicht wirklich materialisiert, sondern nur auf dem Display sichtbar, das dem Objekt wie eine Prothese angehängt wird. Der Körper der neueren Plastiken von Denise Werth werden um das Digitale erweitert und produziert nun neue Formen und Räume, in die man eindringen kann. Eine der Oberflächen, auf der Denise Werth mit ihren Arbeiten reagiert, wird nun zurückintegriert, um sich selbst zu erweitern. Denise Werths Formen, die nun das La Felce füllen, sind nur in der Nahen Betrachtung zu entschlüsseln, was am Ende erkennbar wird, bleibt aber dennoch dem Betrachtenden überlassen.

Konfrontiert mit Denise Werths Objekten sieht man sich ihrer ganz eigenen Formsprache gegenübergestellt, die sich aus Symboliken unserer Zeit sowie Geschichten des Alltags nähren. Die surrealen Plastiken sind nicht wie man zuerst annehmen könnte, aus 3D Modellen abgeleitet oder mithilfe von 3D-Druck hergestellt – Sie entstehen aus zweidimensionalen Skizzen, die mit bildhauerischen Mitteln interpretiert werden. In einem langwierigen Prozess werden die Körper aufgebaut, umgebaut und modelliert. Farben und Komposition sind dabei von ihrer Malereipraxis inspiriert. Die immer präsenteren, uns umgebenden Bildoberflächen im Alltag sind voller Informationen, die wir vereinfachen und decodieren müssen, oder bereits abstrahiert worden sind, um uns mit durchdringender Eindeutigkeit Inhalte zu vermitteln. Wir blicken auf die Geschichte einer reichen Bildsprache zurück, die sich parallel zu der Entstehung vieler neuer Bild(Re-)produktionstechniken in kürzester Zeit entwickelt hat. Dadurch, dass sich die Kontexte ständig verändern, in denen Bilder angezeigt werden, müssen wir sie wesentlich aufmerksamer und genauer entschlüsseln. Denise Werths Arbeiten sind Antwort und Reaktion auf die Bilder en masse und könnten ohne dieses Wissen nicht existieren.

Ausstellungstext (Auszug): Dora Cohnen

Info:    Denise Werth